Michael Kienzer

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Um die Arbeiten von Michael Kienzer zu beschreiben, könnte man die Aussage Lawrence Weiners “Viele farbige Dinge nebeneinander angeordnet bilden eine Reihe farbiger Dinge” leicht abwandeln und behaupten: “Viele Schichten nebeneinander angeordnet bilden eine Reihe Schichten, bilden eine Skulptur”. Denn das was Kienzer vor allem interessiert, sind die Möglichkeiten und der Spielraum im Prozess der Formentstehung, die der Künstler unter Anwendung einer breiten Palette von Materialien, die von Glas über Klebeband bis zu diversen Teppichen reichen, erprobt. Dabei ist Kienzer “ein stiller Meister darin, sich die Gebrauchsanweisung von den Gebrauchsgegenständen nicht durchzulesen und ihr gar vorsätzlich zuwiderzuhandeln und Verstörung, Ironie und manchmal sogar Erkenntnis zu erzeugen.”

 

Image Kienzers Glasskulpturen, so auch „ Stop and go “, und „ Ja-Wohl “, fertigt Kienzer aus diversen Glasschichten an, womit der Künstler das Volumen der angehenden Skulptur so lange steigert, bis eine bestimmte Dichte erreicht ist. Zusätzlich finden sich Lettern und Worte auf dem Glas und auch diese werden vom Prozess der Verdichtung erfasst. Sprache wird so zur Skulptur, verdichtete Dichtung. Die Frage nach dem Verhältnis von Sprache und Skulptur, nach dem Prozess der Skulpturwerdung sprachlicher Elemente, bildet somit den roten Faden in Kienzers künstlerischer Recherche. Das schließt die Frage nach der gesellschaftlichen Rolle von Kunst, den gesellschaftlichen Diskursen, auf denen schließlich die Kunst basiert und die sie formen, mit ein.

Die zwei Arbeiten “Stop and go” und “Ja-Wohl” , so verraten bereits die Titel, leben von der Differenz, von einem so oder anders, und bilden doch ein Paar – ein Zwischenraum, ein Bereich der Möglichkeiten bleibt offen.

Image “Offen-Verschlossen” das ist sozusagen die Toilettensituation. Kienzer hat diese Arbeit zunächst als Installation unter dem Titel „Binär“ in der Galerie Hohenlohe zur Balkonsituation umfunktioniert. Der Balkon ist ein Teil des Privaten und doch reicht er hinaus in den öffentlichen Raum, man zeigt sich, ist aber im geschützten Bereich der Wohnung. Nun befindet sich diese Installation in den Büroräumen von der Firma Trenka, genauer an der offenen oder verschlossenen Bürotür der Geschäftsführerin Michaela Kamler. Der neue Kontext der Installation, die Büro- oder Personalsituation, greift also die Beziehung zwischen Vorgesetztem und MitarbeiterIn auf und reflektiert die soziale Interaktion am Arbeitsplatz.

 

Doris Wallnöfer, Galerie Hohenlohe
www.galeriehohenlohe.at

 

 

Michael Kienzer fordert mit seiner Arbeit „Entwurf“ den Ausstellungsort als ort der Repräsentation heraus, indem er sie als eine Intervention in die bestehende Architektur setzt, aber zugleich den institutionellen Rahmen neu definiert. Kienzer fügt sich, wie so oft in seinem Werk, nicht ins Bestehende ein, passt sich nicht an das Vorhandene an, sondern bietet zum räumlich-architektonischen Prinzip der Ausstellungshalle eine neue Struktur und daher eine neue Lesbarkeit an. Der Schacht, der eigentlich ein Ort des Körperlichen und nicht des Blickes ist, kann vom Körper nicht besetzt, nicht überprüft werden und wird somit zum Sehraum, zum perspektivisch überdeterminierten und visuell stimulierenden Optikum.